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Nachtrag zum Gemeinschaftsroman

Ich hatte vor kurzem berichtet, dass sich zwölf Autoren, darunter auch ich selbst, zusammengeschlossen haben, um gemeinsam einen historischen Roman zu schreiben. Dazu möchte ich heute etwas korrigierend und ergänzend erwähnen, denn es hat sich jetzt herausgestellt, dass ich die Vorgehensweise etwas missverstanden hatte.

Da mir die ersten Kapitel zugefallen waren, und darin schon fast die meisten der Figuren vorkommen oder erwähnt werden, hatte ich fälschlicherweise angenommen, diese Figuren zumindest im Ansatz schon entwerfen zu müssen.

Tatsächlich ist es aber so, dass jeder Autor nur eine für ihn zentrale Figur hat, die er für sich selbst und für alle anderen ebenfalls gültig entworfen hat und aus deren Sicht er seine zwei Kapitel schreibt. Dadurch ergibt sich jeweils eine andere Beobachtersicht auf die Protagonistin wie auch auf weitere Figuren des Romans, möglicherweise auch eine ganz individuelle Interpretation der Fakten. Wie im echten Leben. Jeder sieht, was er sehen will, beziehungsweise zieht daraus seine eigenen Schlüsse.

Vor Beginn haben nun alle Autoren die Figurendatei erhalten, die von den einzelnen Mit-Autoren in Abstimmung erstellt wurde. Jeder hält sich also grundsätzlich an die Figurenbeschreibung des jeweiligen für eine gegebene Persona zuständigen Autors, hat allerdings die Freiheit, alles Geschehen aus dem ganz besonderen Blickwinkel seiner eigenen Figur zu betrachten, also aus der Personal- oder Beobachterperspektive. So wird sich auch Stück für Stück das Bild der Protagonistin durch die unterschiedlichen Betrachter peu à peu verdichten.

Ein interessantes Konzept. Ich bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis.
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