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Wer war Robert Guiscard?

Italiener kennen diesen Mann gut. Er ist einer der ihren, Roberto il Guiscardo, der Begründer des Normannenreichs in Süditalien (1015-1085. Und er ist auch Vorfahre Friedrichs des Zweiten, des berühmten deutschen Kaisers, der als Sohn einer normannischen Königstochter in Italien geboren wurde.

Robert Guiscard kämpfte sein Lebtag lang gegen Byzanz. Und so beschreibt die Tochter des byzantinischen Kaisers diesen Mann:

„Dieser Robert war von Geburt Normanne, aus obskurem Geschlecht. Er besaß ein dominierendes und abgefeimtes Wesen; er war ein tapferer Krieger, sehr listig in seinen Angriffen auf Reichtum und Macht von großen Männern; unaufhaltsam in der Erreichung seiner Ziele, klug und beredt in seiner Überzeugungskraft. Er war ein Mann von enormer Größe, der selbst die größten überragte; er hatte eine frische Hautfarbe, blonde Haare, breite Schultern und Augen, die feurige Blitze zu schleudern vermochten. Ein gut gebauter Mann sollte breit hier und schlank dort sein; in ihm war alles wohl proportioniert und elegant. Homer erzählt, dass, wenn Achilles brüllte, es sich wie eine Menge in Aufruhr anhörte. Aber wenn Robert brüllte, so sagen sie, schlug es Zehntausende in die Flucht.“

Robert_Guiscard

Als Normanne stammte er natürlich aus Frankreich, aus dem Contentin. Sein Vater hieß Tancred, aus dem Geschlecht des Hialtus, einem Wikinger. Nach ihm hieß das Dorf Hialtus Vila, woraus Hauteville wurde, der Name dieser berüchtigten Familie. Tancred hatte 12 Söhne, 5 von seiner ersten Frau Muriela und 7 weitere von seiner zweiten Frau Fressenda.

Robert war der älteste aus der zweiten Gruppe und schon immer ein gewiefter Kerl, ein Schlitzohr, daher sein Spitzname, Guiscard. Die 12 Söhne waren große Kerle, mit denen nicht gut Kirschenessen war. Aber Burg und Dorf Hauteville hatte nicht viel zu bieten. Deshalb riet Tancred seinen Söhnen, sich das Erbe, das er ihnen nicht geben konnte, woanders zu suchen.

So kamen sie nach Süditalien, wo ein guter Mann mit dem Schwert sein Glück machen konnte. Vor ihnen hatten sich auch schon andere Normannen bei den zerstrittenen lombardischen Fürsten als Söldner verdingt, doch keine waren so erfolgreich wie die Hauteville Brüder. Erster unter ihnen wurde mit der Zeit Robert Guiscard, der Lombarden austrickste, Byzantiner beraubte und peu à peu ganz Süditalien unter seine Herrschaft brachte. Sein jüngster Bruder Roger half ihm kräftig dabei und unterwarf in zehnjährigem Feldzug ganz Sizilien.

Robert verlangte viel von seinen Männer, war aber großzügig mit seinen Getreuen. Schlau und wagemutig setzte er seine Ziel durch und ließ nicht locker, bis er sie erreicht hatte. Auch sein Bruder Roger war waghalsig bis zum Leichtsinn, aber nicht unterzukriegen.

Die Geschichte dieser Brüder, Roberto und Rogerio d’Altavilla erzähle ich in meiner neuen Romanserie.


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