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Eindrücke von der Messe

Schiewe-Buchmesse
Leipziger Buchmesse - mein erster Besuch. Das war beeindruckend. Ich hatte mir die Messe nicht so groß vorgestellt. Lange Schlangen an Kassen und Garderoben, Massen von Menschen wälzen sich durch die Gänge, überall Leseinseln, Lautsprecher mit Autorenstimmen - bis einem der Kopf schwirrt. Auch ich hatte diverse Termine mit Moderation und Mini-Lesung, Autogramme schreiben, Bücher signieren. An einem dieser Interviews gesellte sich auch Reinhard Kuhnert zu uns, der hervorragende Sprecher meiner Hörbücher.


Interview bei Droemer 2
An zwei Abenden Lesungen an anderen Orten in der Stadt, einmal im Ägyptischen Museum (mit Kerstin Groeper und den Lorentz), ein Abend, der mir in guter Erinnerung bleiben wird, denn das Publikum ging wirklich mit und blieb noch lange für Fragen und Diskussionen. Die zweite Lesung war im Panometer (mit Birgit Jasmund und Martina André ), wo ich mein neues Buch, "Gold des Südens", vorstellen durfte.

Ein besonders nettes Highlight war auch der Frühstücksempfang bei Droemer Knaur für seine HOMER-Autoren mit Christine Steffen-Reimann und Dr. Übleis. Es war außerdem schön, weitere Verlagsmitarbeiter persönlich kennenzulernen, mit denen man bisher nur Email-Kontakt hatte.

Bei Droemer 2



Überhaupt hatte ich den Eindruck einer riesigen Kontaktbörse. Leute hasteten von Stand zu Stand, um sich mit Autoren zu treffen, Autoren mit Verlagsleuten, Verlagsleute mit Bloggern und Journalisten. Eigentlich sah man nicht so viele, die tatsächlich Bücher in die Hand nahmen. Das ganze kam mir eher wie ein gigantisches Networking-Festival vor. Aber okay, das muss vielleicht auch sein. Happy

Und schließlich am Samstagabend war der Galaabend von HOMER mit Preisverleihung vor der beeindruckenden Kulisse des Panorama-Gemäldes der Schlacht von Leipzig 1813. Eigentlich hätte Sabine Ebert da sein müssen. Das hätte gepasst. Ein schöner Abend. Interessiertes Publikum, strahlende Gewinner.

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Und ganz besonders gefreut hat mit der Werbegeck von Droemer für "Gold des Südens", eine richtige Schatztruhe gefüllt mit Schokoladendukaten.

Schatz des Südens KleinGold des Südens


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Die Rettung des Kölner Stadtgedächtnisses

Am 27. September 2012 empfangen Dr. Stefan Lafaire und seine Mitarbeiter uns Autoren, die am Gemeinschaftsroman „Die Vierte Zeugin“ mitgewirkt haben, um uns mit den Restaurationsbemühungen des Kölner Stadtarchivs vertraut zu machen. Dr. Lafaire ist der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Stadtgedächtnis“, die mit diesen Arbeiten beauftragt ist.

“Durch den Einsturz des Historischen Archivs verliert nicht nur Köln, sondern ganz Europa seine Identität. Würden wir die Archivalien nicht restaurieren, wäre unsere Geschichte von nun an manipulierbar”, sagt er und nennt uns ein paar beindruckende Zahlen. Vor dem katastrophalen Einsturz umfasste das Archiv 1.100 Jahre Geschichte und stellte mit seinen 700 Jahren ununterbrochener Sammlungstätigkeit eines der bedeutendsten, historischen Archive Europas dar. 30.000 Regalmeter Akten, 65.000 Urkunden aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, allein 1.800 mittelalterliche Handschriften.

Wir waren fasziniert von der unglaublichen Sysiphus-Arbeit der Restaurationsbemühungen. In klimatisierten, staubfreien Hallen arbeitet unermüdlich eine ganze Heerschar weiß bekittelter Menschen, um das Gedächtnis der Stadt Köln wiederherzustellen.

Erstaunlich teilweise die Vorgehensweise. Nach dem Einsturz des Archivs lag praktisch alles unter Trümmern in einem riesigen Schlammloch. Die Dokumente wurden mit dem Bagger ans Tageslicht gefördert und zunächst mit Wasser abgespült, um den gröbsten Dreck abzuwaschen. Nach reiflicher Überlegung hatte man sich geeinigt, dies sei noch die schnellste und sanfteste Methode, um die schlimmsten Verunreinigungen zu entfernen.

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Dann, um zerstörerischen Pilzbefall zu verhindern, wurden die nassen Dokumente sofort eingefroren und in diesem Zustand in großen Kühlhallen gelagert. Nacheinander werden sie nun hervorgeholt und in einer Gefriertrockenanlage getrocknet. Danach wird den Dokumenten die korrekte Feuchtigkeit wieder zugeführt, sie werden sanft geglättet und einzeln, von Hand, sorgfältig entstaubt, gereinigt, restauriert und neu archiviert. Eine Arbeit, die möglicherweise noch 20-30 Jahre dauern wird und bis zu 400 Millionen EURO verschlingen könnte. Man schätzt aber, dass dadurch bis zu 95% der Dokumente gerettet werden können. Allerdings hofft die Stiftung neben den Mitteln, die die Stadt bereitstellen kann, auf private Sponsoren und Spender.

Und um eine dieser Handschriften (siehe im Bild) ging es ja im Roman „Die Vierte Zeugin“. Denn „unser“ Dokument, eine alte Gerichtsakte aus dem Jahre 1535 existiert tatsächlich und konnte durch die Spenden des Autorenkreises Quo Vadis restauriert werden. Dieses alte und nun gerettete Pergament vor uns zu sehen, das war schon ein bewegender Augenblick. Ein gutes Gefühl, dass wir Autoren mit unserem Roman ein wenig dazu beitragen konnten, die gewaltigen Restaurierungsarbeiten der Stiftung zu würdigen und populärer zu machen.


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Von links nach rechts: Dr. Stefan Lafaire, Tanja Schurkus, Jürgen Roters, Caren Benedikt, Katrin Burseg, Ulf Schiewe, Peter Prange, Marlene Klaus, Lena Falkenhagen, Heike Koschyk, Oliver Pötzsch, Alf Leue, Martina André, Titus Müller. Foto: Philipp Müller

Weitere Links:

Website des Romans: Die Vierte Zeugin
Der Empfang im Rathaus: „Botschafter des Kölner Stadtarchivs


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Jetzt hassen sie wieder

Religionen scheinen wieder im Vormarsch zu sein. Allerdings in ihrer hässlicheren Form, den Hasstiraden von fundamentalistischen Glaubensfanatikern. Die findet man unter islamischen Minderheiten, die den Gottesstaat errichten wollen und die Massen zu Gewaltakten anpeitschen, wie wir sie täglich wieder im Fernsehen sehen können. Aber in verminderter Form auch unter amerikanischen Fundamentalisten, die die Erkenntnisse der Evolutionswissenschaften bestreiten und die amerikanische Demokratie so vergiften, dass das Land fast unregierbar wird.

Wir schütteln über Islamisten den Kopf, dabei haben wir uns in der jüngeren Geschichte doch selbst von Hassreden verführen lassen. Da ging es um eine seltsame Rassenideologie. Aber auch religiöser Hass sollte uns Europäern nicht fremd sein. Wie viel Blut ist in unserer Geschichte über viele Jahrhunderte aus religiösen Motiven vergossen worden. Wenn man über die Zeit der Kreuzzüge schreibt, wird einem dies besonders deutlich. Während meiner Recherchen zu „DIE HURE BABYLON“ war ich schockiert zu lesen, mit welchen Argumenten da gearbeitet wurde. Und wie zeitnah dies immer noch ist.

Bernhard von Clairvaux
Nach dem verlustreichen Ersten Kreuzzug hatten die Menschen fünfzig Jahre lang eigentlich die Nase voll von Krieg im Orient, weshalb der Papst mit seinem Aufruf 1246 zum Zweiten Kreuzzeug zunächst niemand hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Dann trat der mächtige Abt Bernhard von Clairvaux (später geheiligt) auf den Plan und fachte das Feuer an. Ein großartiger Redner. Ein Menschenverführer, Hassprediger und Einpeitscher der Massen, ein wahrer Göbbels des Mittelalters.
Nachdem das christliche Edessa im Osten gefallen war, baute er geschickt ein Feindbild gegen die „Ungläubigen“ auf. Dass denen dieser Schlag überhaupt gelungen war, sei nur auf die Sündhaftigkeit der Christen zurückzuführen. „Deja vu“, denn das ist ein Argument, das auch die islamischen Fundamentalisten gebrauchen. Und warum zerstöre Gott nicht einfach die Ungläubigen, ist er denn nicht allmächtig? Gute Frage! Bernhards Antwort: weil er euch Sündern die Gelegenheit geben will, euch von der Sünde zu befreien und eure Treue zu Gott zu beweisen. „Statt einer Legion von Engeln schickt er euch, um die Sarazenen zu bestrafen.“
Er spielt also mit dem jüdisch-christlichen Sündenverständnis und Schuldgefühlen, die man den Menschen jahrhundertelang eingeredet hat. Jeder, der ein Schwert zu führen wisse, solle sich den Kriegern Christi anschließen. Und dann gibt es Zitate wie:

kreuzzug
„Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen. Und noch ruhiger stirbt er selber, denn wenn er stirbt, kommt er ins Himmelreich. Wenn er tötet, nützt er Christus. Für Christus grausam zu sein, ist die höchste Stufe der Seligkeit.“





Hört sich das alles nicht sehr aktuell an?
Und später, als das Kreuzfahrerheer ausgezogen war, freut er sich über seinen Propagandaerfolg. In den Städten gäbe es jetzt nur noch die Witwen noch lebender Männer. Kanonenfutter also.

Die wahren Motive der Kirche waren auch damals natürlich weniger religiös, als man meinen könnte. In Wirklichkeit ging es um Machtansprüche, um Politik gegenüber dem byzantinischen Kaiserreich, um Land und um den überaus lukrativen Orienthandel.
Religion ist immer am gefährlichsten, wenn sie sich mit Politik vermischt, wenn sie als Machtmittel benutzt wird, um die Massen zu verführen und zu mobilisieren. Gefährlicher und elender als alles andere, denn sie gibt den gläubigen Menschen eine Rechtfertigung für alle Grausamkeiten, die ihnen einfallen könnten, ja ermutigt sie geradezu darin. Denn der fanatisierte Gläubige wähnt sich besser als andere und im vollen Recht, für seinen Gott grausam zu sein.

Die Hure Babylon - Klein
Wenn wir glauben, so etwas haben wir in unseren säkularen Staaten längst hinter uns gelegt, dann ist das nicht richtig. Diese Geisteshaltung begegnet uns heute häufiger denn je, George Bush eingeschlossen.

Das war mit ein Grund, warum „DIE HURE BABYLON“ diesen Titel hat und warum das Buch mehr als nur ein Abenteuerroman geworden ist, sondern auch eine Abrechnung mit jeder Art von fanatischen Verführungsparolen, die nur zu mehr menschlichem Elend führen.






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Wonach einem das Herz steht

Es wird dieser Tage viel über Steve Jobs geredet. Was er in den letzten Jahren für Apple geleistet hat, ist phänomenal. Ich habe ihn schon immer bewundert, besonders da ich beruflich auch aus dieser Welt der Computer Freaks und Software Revoluzzer komme. Ich hatte mir ja selbst den ersten kommerziellen Apple gekauft, es war 1982, ich erinnere mich gut. Mein Arbeitgeber hatte ich ursprünglich mit dem Argument zu überzeugen versucht, ich bräuchte das Ding, um bessere Vertriebsprognosen für mein Team zu erstellen. Fehlanzeige! Personal Computer? Ob ich denn behämmert wäre? Für so’n Spielkram hätten sie kein Geld.

Witzig, wenn man sich das heute vorstellt.

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Der junge Steve Jobs


Natürlich hatten mich die Neugierde und der Spieltrieb gepackt, ich gebe es zu. Schließlich war ich mal Programmierer gewesen. Es war Winter, wir wohnten damals in Stockholm, und meine Frau war so wütend über diese unsinnige Geldausgabe, dass es mich ein gleich teures, edles Geschenk gekostet hat, um sie wieder zu beruhigen. Damals durfte man noch Pelz tragen, mehr sage ich nicht. Zwei Jahre später hat mein Arbeitgeber dann alle Büros mit Personal Computern ausgestattet. Irgendwann, Jahre später landete mein veralteter Apple II auf dem Müll, aber ich war ein Steve Jobs Fan fürs Leben geworden.

Nun geht es ihm schlecht. Und das tut mir sehr leid. Besonders weil er irgendwie zu meiner Generation von Himmelstürmern in Turnschuhen gehört. Vor Studenten soll er einmal gesagt haben, die Lebenszeit sei begrenzt und man müsse das tun, wonach einem das Herz steht und den Mut dazu aufbringen. Denn nur, was man mit Liebe anpackt, macht man wirklich gut.

Ein bisschen fühle ich mich angesprochen, denn irgendwann vor sechs Jahren habe ich angefangen, Bücher zu schreiben. Erst zögerlich, dann mit immer mehr Energie und Freude. Phasen des Zweifels hat es dabei auch gegeben und Motivationsdurchhänger. Aber inzwischen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, nicht zu schreiben. Gestern habe ich eine Mail von einem Leser erhalten, in der er mir mitteilt, er sei nach Jahren ein Lesemüder geworden. Aber nun hätte ich ihm sein Interesse und Glauben an gute Geschichten wieder erweckt.

Wie schön. Man werkelt also nicht ganz umsonst vor sich hin.

Und meinen iPad liebe ich auch. Danke Steve!

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Der Zorn der Straße

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Nun ist er weg, der Diktator. Menschen in Ägypten sind auf die Straße gegangen, weil sie genug hatten von ihren Machthabern, von Korruption, schlechten Lebensverhältnissen, Unterdrückung und Unfreiheit. Mit friedlichen Mitteln haben sie ihre Hauptforderung durchgesetzt, wie zuvor in Tunesien, wie vor zwanzig Jahren auch bei uns. Ideen, die zur französischen Revolution führten, verändern immer noch die Welt.

Und doch, wer sich ein wenig für Geschichte interessiert, weiß, dass eine solche Revolution der Straße in vergangenen Jahrhunderten fast unmöglich war, dass der Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit allzu oft in Blut ertränkt wurde, bis hin zu unseren Zeiten, siehe Iran oder China auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Umso erstaunlicher, dass es in den letzten 50 Jahren immer wieder gelang, diktatorische Machthaber zu vertreiben. Ich bin überzeugt, dies hat etwas mit dem zu tun, was wir unter Legitimität der Macht verstehen.

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In vergangenen Jahrhunderten beruhte Herrschaftslegitimität auf Abstammung, auf Zugehörigkeit zu einer Adelsschicht. Erbberechtigung gab Legitimität. Nach diesem Prinzip folgte man einem adeligen Führer. Die Idee einer Nation gab es nicht. Trotzdem hat es an Revolten und Rebellionen nicht gemangelt. Die meisten waren jedoch erfolglos. Ketzerbewegungen vergingen in den Feuern der Inquisition, Bauernaufstände wurden immer wieder blutig niedergeschlagen. Die Revolte der Schweizer Bauern stellt da eine glorreiche Ausnahme dar.

Erst im 19. Jahrhundert wandelte sich das Prinzip der Legitimation von persönlicher Gefolgschaft gegenüber einem erbberechtigten Fürsten zur Idee einer Nation. Nationalismus fegte so die Herrschaft des Adels hinweg. Leider allzu oft ersetzt durch diktatorische Regime, die ihre Legitimation in einer nationalistischen oder anderen Ideologie suchten. Leider wurde oft auch die Macht der Gene (Adel) auf eine andere sogenannte genetische Berechtigung übertragen (Volk und Rasse), mit desaströsen Konsequenzen. Angefangen mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der französischen Revolution hat sich besonders in den letzten sechzig Jahren die Idee durchgesetzt, dass das Volk der eigentliche Souverän ist, das heißt, dass jeder Staatsangehörige, unabhängig von Herkunft oder Religion, das Recht hat, seine Führer zu wählen. Heute glauben wir, nur die vom Volk gewährte Macht hat Berechtigung. Und zunehmend ist diese Idee stärker als Panzer.

Und doch hat es auch schon in der weit entfernten Geschichte Gruppen gegeben, die für sich Freiheiten erstritten haben und denen es gelungen ist, zumindest innerhalb ihrer sozialen Gruppe eine Art repräsentative Herrschaft zu errichten. Das war vor allem schon das Bürgertum im Mittelalter, eine Zeit, die mich besonders interessiert. Eine gewisse Unabhängigkeit von feudaler Knechtung entwickelte sich ganz allmählich in den urbanen Zentren, wo Handwerk und Handel ein selbstbewusstes Bürgertum entstehen ließen. Den Anfang machten die norditalienischen Städte, wo schon seit der Antike städtische Strukturen bestanden. Bereits zur Zeit Karls des Großen entwickelte Venedig eine unabhängige Stadtregierung. Florenz folgte. Im Wettstreit mit den Sarazenen um die Kontrolle des Seehandels bauten Genuesen und Pisaner mächtige Flotten, entmachteten im 11. Jahrhundert ihren Stadtadel und gründeten maritime Republiken.

In „Die Comtessa“ spielt die Stadt Narbonne eine Rolle. Auch hier, wie in anderen Städten Südfrankreichs bildeten die reichen Kaufleute eine Schicht, die begannen, den Fürsten die Stirn zu bieten, besonders da sie das Gros der Steuereinahmen lieferten. In Montpellier wurde der Fürst vorübergehend vertrieben. Alfons Jordan selbst konnte sich in Toulouse nur mit der Unterstützung der Stadtmiliz auf seinem Thron behaupten. Trotzdem gelang es den provenzalischen Städten nicht, sich völlig von ihren Fürsten freizumachen. Diese Spannungen werden auch in meinem Buch dargestellt. Im ersten Kapitel entlädt sich der Zorn des Volkes in spontanem Widerstand gegen die Toulousaner Söldner. Hier, wie so oft, wird der Aufruhr blutig niedergeschlagen. Tote und Verletze bleiben zurück. Am Ende des Romans erstreiten sich die Bürger von ihrer Fürstin gewisse Privilegien und Rechte als Gegenleistung für ihre Unterstützung.

Wie so oft findet man zu aktuellen Geschehnissen Parallelen in der Geschichte.
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Kannibalismus unter den Kreuzrittern

Was mich an der gegenwärtigen Debatte um Herrn Sarrazin so nervt, ist, dass Manche seine lächerlichen Thesen auch noch ernst nehmen. Wie borniert muss man sein, sich einzubilden, wir gehörten zu einem besseren Gen-Pool? Und das auch noch in Deutschland, mit unserer Vergangenheit. Auch die Islamdebatte ist oft extrem nervig und voreingenommen. Was soll denn so großartig an unserer christlich-abendländischen Kultur sein? Vergisst man, wie viel Leid diese Kultur über andere Menschen gebracht hat?

Es ist immer wieder interessant, Parallelen in der Geschichte zu finden. Besonders bei meiner Recherche über den Ersten Kreuzzug sind mir so viele schreckliche Sachen untergekommen, dass einem schlecht wird. Ein wahlloses Morden von Zivilisten aller Religionen, das Ausrotten ganzer Städte, in Jerusalem konnte man laut Zeugen im Blut bis an die Knie waten. Alles im Namen des Kreuzes.

Aber das Allerschlimmste war doch das folgende Ereignis. Ich zitiere aus dem „Bastard von Tolosa“:

Wie könnte ein Mann jemals Ma’arrat-an-Numan vergessen? Ungehindert von den Fürsten war der Pöbel plündernd in diese unglückliche Stadt eingedrungen. Dabei war es zu fürchterlichsten Maßlosigkeiten gekommen. Die sogenannten tafurs, die Ärmsten unter den Armen der militia, dreckig, zerlumpt, halb verhungert, sie hatten Muslime bei lebendigem Leibe gekocht und sich johlend um ihr Fleisch gebalgt, ja sogar Kinder auf Spießen gebraten und gelacht, während sie diese vertilgten.

Es ist wirklich, wie in mehreren Chroniken berichtet, geschehen. Und die Anführer, in diesem Fall Bohemund von Tarent und Raimund von Toulouse, sie ließen es zu. Das schockierte die muslimische Welt noch Jahrhunderte später. Nicht umsonst waren wir „Franken“, wie alle Kreuzritter genannt wurden, nichts als Menschenfresser für die Menschen im Vorderen Orient.

Dies ist nur ein Beispiel von unzähligen in unserer Geschichte. Es gibt wirklich keinen Grund sich auf die eigene Kultur oder gar Gene etwas einzubilden.
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