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Reicht Empathie für einen Autor aus?

Empathie ist die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle, Absichten oder Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen oder eines Tiers zu erkennen und unter Umständen die eigene Reaktion darauf abzustimmen. Soweit in etwa die Wikipedia-Definition.

Die meisten sind sich einig, dass man als Autor empathische Fähigkeiten besitzen sollte, um sich glaubhaft in Figuren hineindenken zu können. Gemeint ist nicht unbedingt Mitleid oder Mitgefühl, sondern einfach die Gabe nachvollziehen zu können, was in einem Anderen vorgeht, warum er gewisse Dinge tut. Es kann sich um einen lieben Menschen handeln oder auch um einen Soziopathen, mit dem man nicht unbedingt Mitgefühl entwickeln wird.

Es geht ja darum, Figuren zu schaffen, die glaubwürdig sind. Dazu ist Empathie unerlässlich. Aber nicht genug. Es muss einem auch gelingen, den Leser daran teilhaben zu lassen. Und das geht nur mit schauspielerischen Fähigkeiten.

Der Autor muss in der Lage sein, in seine diversen Figuren hineinzuschlüpfen, wie sie zu denken und zu fühlen, den Impuls zu verspüren, der sie handeln lässt. Und dies dann auch so auszudrücken, dass der Leser das Gleiche verspürt und ebenfalls nachvollziehen kann. Nicht ganz einfach in hitzigen Dialogen zwischen zwei oder mehr Figuren, bei denen doch jeder Satzfetzen Stimmung und Charakter des jeweiligen Sprechers klar zum Ausdruck bringt, ohne dass man noch viel hinzufügen muss. Es ist ein Schauspiel, bei dem der Autor Regisseur und Darsteller zugleich ist. Wenn es gelingt, vergisst der Leser die Worte, sondern sieht nur noch den Film vor Augen.
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