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Kannibalismus

Kannibalismus unter den Kreuzrittern

Was mich an der gegenwärtigen Debatte um Herrn Sarrazin so nervt, ist, dass Manche seine lächerlichen Thesen auch noch ernst nehmen. Wie borniert muss man sein, sich einzubilden, wir gehörten zu einem besseren Gen-Pool? Und das auch noch in Deutschland, mit unserer Vergangenheit. Auch die Islamdebatte ist oft extrem nervig und voreingenommen. Was soll denn so großartig an unserer christlich-abendländischen Kultur sein? Vergisst man, wie viel Leid diese Kultur über andere Menschen gebracht hat?

Es ist immer wieder interessant, Parallelen in der Geschichte zu finden. Besonders bei meiner Recherche über den Ersten Kreuzzug sind mir so viele schreckliche Sachen untergekommen, dass einem schlecht wird. Ein wahlloses Morden von Zivilisten aller Religionen, das Ausrotten ganzer Städte, in Jerusalem konnte man laut Zeugen im Blut bis an die Knie waten. Alles im Namen des Kreuzes.

Aber das Allerschlimmste war doch das folgende Ereignis. Ich zitiere aus dem „Bastard von Tolosa“:

Wie könnte ein Mann jemals Ma’arrat-an-Numan vergessen? Ungehindert von den Fürsten war der Pöbel plündernd in diese unglückliche Stadt eingedrungen. Dabei war es zu fürchterlichsten Maßlosigkeiten gekommen. Die sogenannten tafurs, die Ärmsten unter den Armen der militia, dreckig, zerlumpt, halb verhungert, sie hatten Muslime bei lebendigem Leibe gekocht und sich johlend um ihr Fleisch gebalgt, ja sogar Kinder auf Spießen gebraten und gelacht, während sie diese vertilgten.

Es ist wirklich, wie in mehreren Chroniken berichtet, geschehen. Und die Anführer, in diesem Fall Bohemund von Tarent und Raimund von Toulouse, sie ließen es zu. Das schockierte die muslimische Welt noch Jahrhunderte später. Nicht umsonst waren wir „Franken“, wie alle Kreuzritter genannt wurden, nichts als Menschenfresser für die Menschen im Vorderen Orient.

Dies ist nur ein Beispiel von unzähligen in unserer Geschichte. Es gibt wirklich keinen Grund sich auf die eigene Kultur oder gar Gene etwas einzubilden.
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