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Santo Domingo

Santo Domingo auf Hispaniola, 1635

Mein Roman, GOLD DES SÜDENS, spielt im Jahre 1635 und zum großen Teil auf der karibischen Insel Hispaniola, auf der das heutige Haiti und die Dominikanische Republik liegen. Hier möchte ich die Insel und ihre Hauptstadt Santo Domingo, so wie sie sich dem Besucher um 1635 präsentiert, vorstellen.

Hispaniola


Hispaniola, war eine der ersten Inseln, die von Kolumbus entdeckt worden waren. Hier fanden auch die ersten Siedlungsversuche statt und Santo Domingo, im Süden der Insel, wurde schon in den ersten Jahren der Kolonisierung zur Hauptstadt der neuen spanischen Besitzungen in der Karibik. Von hier aus unternahm Rodrigo de Bastidas seine Erforschung der Küsten Kolumbiens und Panamas, von hier segelten Cortez und Pizarro, um Mexiko und Peru zu erobern.

Sklaven
Auf Hispaniola siedelten die ersten Kolonisatoren der neuen Welt, unterwarfen die Indianer und brachten es nach einigen Anfangsschwierigkeiten zu Wohlstand. Zunächst hatten Goldfunde in den Bergen die Gier der Spanier befeuert, zum Leidwesen Tausender versklavter Indianer, die in den Minen verreckten. Wie es im Jahre 1635 überhaupt nur noch wenige ihrer Art auf der Insel gab. Eingeschleppte Krankheiten und brutale Unterdrückung hatten sie dahingerafft. Die meisten Spanier ließ das allerdings kalt, für sie waren es nur Wilde. Ein ganzes Volk wurde so praktisch ausgelöscht.

Der Goldrausch währte nicht lange. Als Nächstes ließ Europas Hunger nach Zucker große Plantagen in den fruchtbaren Ebenen entstehen. Da es an Arbeitskräften mangelte, begann der Handel mit Afrikanern zu blühen. Bald gab es weit mehr schwarze Sklaven auf Hispaniola als Europäer.

Als die Portugiesen den Markt mit brasilianischem Zucker überschwemmten, verlegten sich viele der Pflanzer auch auf Tabak oder auf die Züchtung gewaltiger Rinderherden im Inneren der Insel. Denn Leder erzielte gute Preise in der alten Welt, besonders wenn Krieg in Europa herrschte, wie jetzt der Dreißigjährige Krieg. Die spanische Krone war mehr damit beschäftigt, die Protestanten zu bekämpfen, als sich um die fernen Kolonien zu kümmern.

Leinenmarkt Santo Domingo
Lange Zeit war also Santo Domingo Hauptstadt des sich rasch ausdehnenden spanischen Kolonialreiches. Und obwohl Orte wie Havanna oder Panama ihr inzwischen den Rang abliefen, war die Stadt immer noch ein wichtiger Verwaltungssitz. Nach modernen, geometrischen Richtlinien angelegt, kreuzten sich ihre Straßen im rechten Winkel, gradlinig wie ein Schachbrett.
An der Flussmündung stand die wuchtige Fortaleza de Ozama, deren Kanonen den lebenswichtigen Hafen sicherten. Diese Festung, nach dem Fluss benannt, hatte den Ruf, uneinnehmbar zu sein, hatte sie doch im Jahre 1586 sogar den Angriffen des berüchtigten Francis Drake widerstanden, El Drake, wie die Spanier ihn nannten, ein Name, mit dem man den Kindern Angst machte, wenn sie nicht gehorchen wollten.

Neben der Festung befand sich der weitläufige Palast der reichen Familie Bastidas, dessen Erbauer nach seinen Erkundungsreisen für das Eintreiben der Zölle verantwortlich gewesen war und sich entsprechend bereichert hatte. Am gleichen Ufer, etwas weiter nördlich, hatte Diego Colón, Sohn des berühmten Entdeckers der Insel und wie sein Vater ebenfalls Vizekönig von Westindien, einen noch gewaltigeren Palast errichten lassen, den Alcázar de Colón, mit seinen fünfundfünfzig Sälen und Gemächern.

Damals waren ihm und seiner Gattin, einer Frau von hohem adeligen Geblüt, zahlreiche Hofdamen nach Santo Domingo gefolgt, wo sie Residenz in feinen Villen gleich hinter der Festung an der Calle de la Fortaleza bezogen. Diese war dadurch zur elegantesten Straße der Stadt geworden, überhaupt die erste gepflasterte Straße in der Neuen Welt. Und weil die edlen Damen auf dem Weg zur gerade eben fertiggestellten Kathedrale hier gern flanierten und ihren teuren Putz zur Schau stellten, wurde sie bald in Calle de las Damas umbenannt.

Santo_Domingo_Map_1873


Jetzt, mehr als hundert Jahre später, war die Stadt von einer starken Mauer umgeben und von mehreren Forts geschützt, um allen Angriffen von Seeräubern zu widerstehen, zu denen es schon häufig in ihrer kurzen Geschichte gekommen war. Santo Domingo war nach den Verwüstungen durch Drakes Freibeuter wieder gewachsen und hatte erneut seinen Platz als wichtiges Handelszentrum eingenommen. Auf der Hauptgeschäftsstraße, der Calle de Conde, waren Schmuck und kostbares Tuch, Schwerter aus Toledo, feines Olivenöl, spanischer Wein und andere begehrte Waren aus dem Mutterland zu haben. Und immer noch war es ein ganz besonderes Privileg, an der Calle de las Damas ein Haus zu besitzen, wie Doña Maria Carmen, die Heldin des Romans.

Obwohl Santo Domingo den Segen der Zivilisation des 17. Jahrhunderts genoss, mit seinen Kirchen und Palästen, so war das Land immer noch wild und zum großen Teil unerschlossen. Im Sommer herrschte die Regenzeit mit ihren gefährlichen Hurrikanen. Im Süden lagen die großen Plantagen, im Inneren gab es Rinderherden, die mehrere Zehntausende zählten. Im Nordosten trieben Bukaniere ihr Unwesen, um Wildschweine und wilde Rinder zu jagen und das Fleisch für fremde Schiffe zu räuchern. Nicht selten betätigten sie sich auch als Piraten. Ihr Zufluchtsort war Tortuga, eine kleine Insel auf der Nordseite von Hispaniola.

Dies ist die Welt, in die Jan van Hagen mit seinem Schiff, die
Sophie, vordringt, um sich am illegalen Schmuggel zu bereichern. Die Sophie ist eine holländische Fleute, ein schnelles kleines Schiff mit zwei Kanonen auf jeder Seite und gutem Frachtraum. So mag sie ausgesehen haben:


Fleute

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