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Textqualität

Ein Loblied auf schlechte Texte

Um als Autor sein Schreiben zu verbessern, heißt es immer, man sollte möglichst viel lesen. Ich glaube, das ist wahr. Und gelesen habe ich immer in Mengen. Leider, wenn ich mir meine Lesegewohnheiten von früher betrachte, dann wünschte ich, schon damals bewusster gelesen zu haben. Denn seit ich selbst schreibe, nähere ich mich einem Text wesentlich aufmerksamer. Ich analysiere, wie der Autor sein Thema angeht, wie er Szenen aufbaut, wie er formuliert, Bilder entstehen lässt, Stimmungen vermittelt.

Die Tatsache, dass ich mich in den letzten Jahren auch theoretisch mit dem Handwerk Schreiben beschäftigt habe, hilft, den Blick zu schärfen. Man kommt dem Autor schneller auf die Schliche, was er da eigentlich treibt, um den gewünschten, leider auch manchmal nicht gewünschten Effekt zu erzielen. Tatsächlich ist es so, dass man von schlechten Texten oft mehr lernt. Bei den guten wird man einfach von der Spannung, dem Lesefluss und den Stimmungen erfasst und getragen, sodass man vergisst, sein Radar einzuschalten. Hinterher fragt man sich, was war eigentlich die Magie, die einen so gefesselt hat.

Bei schlechteren Texten springen einem die Fehler förmlich ins Gesicht. Sie unterbrechen den Lesefluss, manchmal ärgern sie mich sogar, weil ich mir denke, mein Gott, ein paar Worte anders und es wäre gut gewesen. In jedem Fall lernt man aus solchen Fehlern mehr, als aus den guten Texten, weil man die Schwächen schneller erkennt. Und wenn das Radar einmal an ist, dann ist es unerbittlich, dann wird alles durchleuchtet. Eine Lehrstunde, wie man es NICHT machen sollte. Leider ist dann oft das Lesevergnügen dahin. Na ja, man kann nicht alles haben. Sad

Bei den eigenen Texten ist es ja ähnlich. Wobei man da nicht vor Betriebsblindheit gefeit ist. Aber da hilft nur Abstand nehmen und dann überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten. Egal wie oft, man findet immer noch etwas.
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