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Santo Domingo auf Hispaniola, 1635

Mein Roman, GOLD DES SÜDENS, spielt im Jahre 1635 und zum großen Teil auf der karibischen Insel Hispaniola, auf der das heutige Haiti und die Dominikanische Republik liegen. Hier möchte ich die Insel und ihre Hauptstadt Santo Domingo, so wie sie sich dem Besucher um 1635 präsentiert, vorstellen.

Hispaniola


Hispaniola, war eine der ersten Inseln, die von Kolumbus entdeckt worden waren. Hier fanden auch die ersten Siedlungsversuche statt und Santo Domingo, im Süden der Insel, wurde schon in den ersten Jahren der Kolonisierung zur Hauptstadt der neuen spanischen Besitzungen in der Karibik. Von hier aus unternahm Rodrigo de Bastidas seine Erforschung der Küsten Kolumbiens und Panamas, von hier segelten Cortez und Pizarro, um Mexiko und Peru zu erobern.

Sklaven
Auf Hispaniola siedelten die ersten Kolonisatoren der neuen Welt, unterwarfen die Indianer und brachten es nach einigen Anfangsschwierigkeiten zu Wohlstand. Zunächst hatten Goldfunde in den Bergen die Gier der Spanier befeuert, zum Leidwesen Tausender versklavter Indianer, die in den Minen verreckten. Wie es im Jahre 1635 überhaupt nur noch wenige ihrer Art auf der Insel gab. Eingeschleppte Krankheiten und brutale Unterdrückung hatten sie dahingerafft. Die meisten Spanier ließ das allerdings kalt, für sie waren es nur Wilde. Ein ganzes Volk wurde so praktisch ausgelöscht.

Der Goldrausch währte nicht lange. Als Nächstes ließ Europas Hunger nach Zucker große Plantagen in den fruchtbaren Ebenen entstehen. Da es an Arbeitskräften mangelte, begann der Handel mit Afrikanern zu blühen. Bald gab es weit mehr schwarze Sklaven auf Hispaniola als Europäer.

Als die Portugiesen den Markt mit brasilianischem Zucker überschwemmten, verlegten sich viele der Pflanzer auch auf Tabak oder auf die Züchtung gewaltiger Rinderherden im Inneren der Insel. Denn Leder erzielte gute Preise in der alten Welt, besonders wenn Krieg in Europa herrschte, wie jetzt der Dreißigjährige Krieg. Die spanische Krone war mehr damit beschäftigt, die Protestanten zu bekämpfen, als sich um die fernen Kolonien zu kümmern.

Leinenmarkt Santo Domingo
Lange Zeit war also Santo Domingo Hauptstadt des sich rasch ausdehnenden spanischen Kolonialreiches. Und obwohl Orte wie Havanna oder Panama ihr inzwischen den Rang abliefen, war die Stadt immer noch ein wichtiger Verwaltungssitz. Nach modernen, geometrischen Richtlinien angelegt, kreuzten sich ihre Straßen im rechten Winkel, gradlinig wie ein Schachbrett.
An der Flussmündung stand die wuchtige Fortaleza de Ozama, deren Kanonen den lebenswichtigen Hafen sicherten. Diese Festung, nach dem Fluss benannt, hatte den Ruf, uneinnehmbar zu sein, hatte sie doch im Jahre 1586 sogar den Angriffen des berüchtigten Francis Drake widerstanden, El Drake, wie die Spanier ihn nannten, ein Name, mit dem man den Kindern Angst machte, wenn sie nicht gehorchen wollten.

Neben der Festung befand sich der weitläufige Palast der reichen Familie Bastidas, dessen Erbauer nach seinen Erkundungsreisen für das Eintreiben der Zölle verantwortlich gewesen war und sich entsprechend bereichert hatte. Am gleichen Ufer, etwas weiter nördlich, hatte Diego Colón, Sohn des berühmten Entdeckers der Insel und wie sein Vater ebenfalls Vizekönig von Westindien, einen noch gewaltigeren Palast errichten lassen, den Alcázar de Colón, mit seinen fünfundfünfzig Sälen und Gemächern.

Damals waren ihm und seiner Gattin, einer Frau von hohem adeligen Geblüt, zahlreiche Hofdamen nach Santo Domingo gefolgt, wo sie Residenz in feinen Villen gleich hinter der Festung an der Calle de la Fortaleza bezogen. Diese war dadurch zur elegantesten Straße der Stadt geworden, überhaupt die erste gepflasterte Straße in der Neuen Welt. Und weil die edlen Damen auf dem Weg zur gerade eben fertiggestellten Kathedrale hier gern flanierten und ihren teuren Putz zur Schau stellten, wurde sie bald in Calle de las Damas umbenannt.

Santo_Domingo_Map_1873


Jetzt, mehr als hundert Jahre später, war die Stadt von einer starken Mauer umgeben und von mehreren Forts geschützt, um allen Angriffen von Seeräubern zu widerstehen, zu denen es schon häufig in ihrer kurzen Geschichte gekommen war. Santo Domingo war nach den Verwüstungen durch Drakes Freibeuter wieder gewachsen und hatte erneut seinen Platz als wichtiges Handelszentrum eingenommen. Auf der Hauptgeschäftsstraße, der Calle de Conde, waren Schmuck und kostbares Tuch, Schwerter aus Toledo, feines Olivenöl, spanischer Wein und andere begehrte Waren aus dem Mutterland zu haben. Und immer noch war es ein ganz besonderes Privileg, an der Calle de las Damas ein Haus zu besitzen, wie Doña Maria Carmen, die Heldin des Romans.

Obwohl Santo Domingo den Segen der Zivilisation des 17. Jahrhunderts genoss, mit seinen Kirchen und Palästen, so war das Land immer noch wild und zum großen Teil unerschlossen. Im Sommer herrschte die Regenzeit mit ihren gefährlichen Hurrikanen. Im Süden lagen die großen Plantagen, im Inneren gab es Rinderherden, die mehrere Zehntausende zählten. Im Nordosten trieben Bukaniere ihr Unwesen, um Wildschweine und wilde Rinder zu jagen und das Fleisch für fremde Schiffe zu räuchern. Nicht selten betätigten sie sich auch als Piraten. Ihr Zufluchtsort war Tortuga, eine kleine Insel auf der Nordseite von Hispaniola.

Dies ist die Welt, in die Jan van Hagen mit seinem Schiff, die
Sophie, vordringt, um sich am illegalen Schmuggel zu bereichern. Die Sophie ist eine holländische Fleute, ein schnelles kleines Schiff mit zwei Kanonen auf jeder Seite und gutem Frachtraum. So mag sie ausgesehen haben:


Fleute

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Der Autor und sein Sprecher

Bisher sind vier meiner Romane bei Audible als Hörbücher erschienen, worüber ich sehr glücklich bin. Denn meine Geschichten, die ja sonst nur mit schwarzen Lettern auf Papier erscheinen, jetzt so zu hören, als handele es sich um ein Hörspiel, das ist schon etwas Besonderes.

Allerdings kommt es doch sehr auf den Sprecher an. Und mit
Reinhard Kuhnert (www.reinhardkuhnert.de) ist es ein besonderes Erlebnis. Reinhard ist ein bekannter Theatermacher, Schauspieler und Synchronsprecher. Er ist unter anderem die deutsche Stimme von Kevin Spacey, Pierce Brosnan und James Woods. Und er betätigt sich auch selbst als Romanautor ( „Abgang ist Allerwärtss“ ). Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass Audible ihn für meine Bücher gewonnen hat, denn Reinhard macht das toll. Es gelingt ihm, alle Figuren der Romane auf einzigartige Weise zum Leben zu bringen. Die überaus positiven Reaktionen der Audible-Kunden bestätigen dies.

Zum Erscheinen meines fünften Romans bei Audible und dem zweiten Band der Normannen-Saga, "Die Rache des Normannen" trafen wir uns in den Berliner Büros von Audible mit Redakteurin und Porträtfilmerin
Gabriele Reis, die uns auf charmante Weise durch ein Videointerview führte. Es war das erste Mal, dass Reinhard und ich Gelegenheit hatten, uns persönlich zu treffen, und wie man im Video sieht, haben wir uns auf Anhieb gut verstanden. Im Nachhinein wurde dies dann gebührend mit unseren Damen bei einem schönen Abendessen im Literaturhaus Berlin gefeiert.

Link Interview
Kurzes Video mit Autor und Hörbuchsprecher Reinhard Kuhnert

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Massaker in Salerno

Salerno

Heute ist Salerno eine Provinzstadt in der italienischen Region Kampanien. Wunderschön am Thyrennischen Meer und unterhalb der Burg des Arichis II aus dem achten Jahrhundert gelegen. Hier entstand die berühmte Schola Medica Salernitana, die erste Medizinschule Europas. Im elften Jahrhundert erreichte das Fürstentum Salerno seine größte Ausdehnung unter Prinz Guaimar IV, einem der bedeutendsten Fürsten seiner Zeit. Zeitweise dominierte Salerno mithilfe seiner normannischen Verbündeten Amalfi, Capua und große Teile Süditaliens. Nicht umsonst nannten seine stolzen Bürger es Opulenta Salernum, das prachtvolle Salerno.

Salerno-Castello de Arichis

Doch dann ereilte die Stadt ein großes Unglück, ein Aufstand des Adels, unterstützt vom benachbarten Fürstentum Amalfi, ein schrecklicher Fürstenmord mitten in der Stadt und vor aller Augen, dann die grausame Rache durch die verbündeten Normannen unter Führung der Brüder Hauteville.

Diese Geschichte wird in „Die Rache des Normannen“, meinem zweiten Roman der Normannen-Saga um Robert Guiscard, ausführlich erzählt. Mitten im Geschehen ist natürlich wieder der junge Gilbert Le-Porchon, der inzwischen aber schon ein erfahrener Krieger geworden ist. Er und seine Gefährten sollen Guaimars Schwester, die Prinzessin Gaitelgrima, nach Salerno begleiten, wo sie ihren kleinen Sohn taufen lassen will, denn nach dem Mord an Drogo ist sie mit Robert Guiscards Bruder Onfroi de Hauteville verheiratet. Gilbert und seine Gefährten stellen auf dieser Reise ihre Leibwache. Kaum sind sie in Salerno, brechen in der Stadt unerwartet die Unruhen aus, die die Fürstenfamilie in einen fürchterlichen Strudel der Gewalt ziehen und zu vernichten drohen. Eine wirklich spannende Geschichte, die auf Tatsachen beruht.

Der Aquädukt aus dem neunten Jahrhundert, der unten auf dem Bild zu sehen ist, spielt eine bedeutende Rolle in der Geschichte.

Acquedotto

Hier die Szene aus dem Buch, als Gilbert und seine Freunde, mit den Verfolgern im Nacken, verzweifelt aus der Stadt zu fliehen versuchen:

„Schnell“, rief er heftig nach Luft schnappend. „Klettert auf den acquedotto. Auf dem kommen wir in die Berge.“
Ungläubig starrten wir alle den Aquädukt entlang, der schnurgerade wie ein schmales Band auf den Berg zulief und dort irgendwo in zwei- oder dreihundert Schritt Entfernung zwischen Bäumen und Gestrüpp verschwand. Auf halber Strecke befand sich die Verbindung mit dem zweiten Aquädukt. Die oberen Deckplatten waren nicht breiter als zwei Ellen, dafür aber an vielen Stellen vierzig Fuß über dem Abgrund. Darauf sollten wir laufen? Unmöglich!
„He, Mann“, schreckte Hamo zurück. „Der Kerl spinnt. Mich kriegt ihr da nicht rauf. Da kommt keiner lebend rüber.“


Wer historische Romane und dabei einen spannenden Thriller mit vielen unerwarteten Wendungen liebt, dem kann ich dieses Buch wirklich empfehlen.

Erscheint bei Knaur am 1. Juli 2014.
„Die Rache des Normannen“



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Wer war Robert Guiscard?

Italiener kennen diesen Mann gut. Er ist einer der ihren, Roberto il Guiscardo, der Begründer des Normannenreichs in Süditalien (1015-1085. Und er ist auch Vorfahre Friedrichs des Zweiten, des berühmten deutschen Kaisers, der als Sohn einer normannischen Königstochter in Italien geboren wurde.

Robert Guiscard kämpfte sein Lebtag lang gegen Byzanz. Und so beschreibt die Tochter des byzantinischen Kaisers diesen Mann:

„Dieser Robert war von Geburt Normanne, aus obskurem Geschlecht. Er besaß ein dominierendes und abgefeimtes Wesen; er war ein tapferer Krieger, sehr listig in seinen Angriffen auf Reichtum und Macht von großen Männern; unaufhaltsam in der Erreichung seiner Ziele, klug und beredt in seiner Überzeugungskraft. Er war ein Mann von enormer Größe, der selbst die größten überragte; er hatte eine frische Hautfarbe, blonde Haare, breite Schultern und Augen, die feurige Blitze zu schleudern vermochten. Ein gut gebauter Mann sollte breit hier und schlank dort sein; in ihm war alles wohl proportioniert und elegant. Homer erzählt, dass, wenn Achilles brüllte, es sich wie eine Menge in Aufruhr anhörte. Aber wenn Robert brüllte, so sagen sie, schlug es Zehntausende in die Flucht.“

Robert_Guiscard

Als Normanne stammte er natürlich aus Frankreich, aus dem Contentin. Sein Vater hieß Tancred, aus dem Geschlecht des Hialtus, einem Wikinger. Nach ihm hieß das Dorf Hialtus Vila, woraus Hauteville wurde, der Name dieser berüchtigten Familie. Tancred hatte 12 Söhne, 5 von seiner ersten Frau Muriela und 7 weitere von seiner zweiten Frau Fressenda.

Robert war der älteste aus der zweiten Gruppe und schon immer ein gewiefter Kerl, ein Schlitzohr, daher sein Spitzname, Guiscard. Die 12 Söhne waren große Kerle, mit denen nicht gut Kirschenessen war. Aber Burg und Dorf Hauteville hatte nicht viel zu bieten. Deshalb riet Tancred seinen Söhnen, sich das Erbe, das er ihnen nicht geben konnte, woanders zu suchen.

So kamen sie nach Süditalien, wo ein guter Mann mit dem Schwert sein Glück machen konnte. Vor ihnen hatten sich auch schon andere Normannen bei den zerstrittenen lombardischen Fürsten als Söldner verdingt, doch keine waren so erfolgreich wie die Hauteville Brüder. Erster unter ihnen wurde mit der Zeit Robert Guiscard, der Lombarden austrickste, Byzantiner beraubte und peu à peu ganz Süditalien unter seine Herrschaft brachte. Sein jüngster Bruder Roger half ihm kräftig dabei und unterwarf in zehnjährigem Feldzug ganz Sizilien.

Robert verlangte viel von seinen Männer, war aber großzügig mit seinen Getreuen. Schlau und wagemutig setzte er seine Ziel durch und ließ nicht locker, bis er sie erreicht hatte. Auch sein Bruder Roger war waghalsig bis zum Leichtsinn, aber nicht unterzukriegen.

Die Geschichte dieser Brüder, Roberto und Rogerio d’Altavilla erzähle ich in meiner neuen Romanserie.


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Mein neuer Roman


Das Schwert des Normannen - Klein

Die Normandie im 11. Jahrhundert:
Der berüchtigte Robert Guiscard von Hauteville, genannt das Schlitzohr, ist auf der Flucht nach Süditalien, wo seine Brüder sich als Kriegsherren einen Namen gemacht haben. Unter Roberts Gefährten befindet sich der 17-jährige Gilbert, dessen Herkunft im Dunkeln liegt und der bei den Hautevilles als Schweinehirt aufgewachsen ist. Durch seine Treue und Waghalsigkeit gewinnt er Roberts Vertrauen, der ihn zu seinem engsten Begleiter macht. Sie beginnen als Raubritter, für die nichts als Gold zählt, und sind doch dabei, ein Reich zu schaffen, das in Europa seinesgleichen suchen wird.


Es beginnt mit dem Aufbruch einer flüchtigen Söldnertruppe unter Führung von Robert de Hauteville aus einem kleinen Dorf in der Normandie. Ihr Ziel: Süditalien.
Unter den Gefährten befinden sich der junge Gilbert, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, Gerlaine, ein eigenwilliges Mädchen mit seherischen Fähigkeiten, Gilberts unbekümmerter Freund Thore, der gern den Frauen nachstellt, der bärbeißige Rainulf und der hässliche Ivain mit seinen Wurfäxten, der gewaltige Rollo, der ständig sein Geld verspielt und andere Charakteren. Eine eingeschworene Truppe von unerschrockenen Männern, die ausziehen, im Mezzogiorno ihr Glück zu finden. Wobei sie es nicht so genau nehmen, wen sie überfallen und wessen Gold sie stehlen.
Der waghalsiger Anführer dieser Abenteurer ist Robert Guiscard de Hauteville, den sie das Schlitzohr nennen, ein blonder Hüne, der seinen Männern viel abverlangt, aber alles mit ihnen teilt.
Wegen ihrer Übergriffe sind die Normannen nicht beliebt in Italien. Doch trotz aller Widerstände steigen Robert und seine Brüder von Raubrittern zu Grafen von Apulien auf. Sie wagen es, den lombardischen Prinzen Land zu rauben, dem mächtigen Byzanz zu trotzen und sich dem Papst in einer Entscheidungsschlacht zu stellen.
Erzählt wird von Kriegern und ihren Frauen, von Fürsten und Prinzessinnen, von Liebe und Eifersucht, Mord und Intrigen, vor allem aber die spannende Geschichte der Entstehung des Normannenreichs in Unteritalien und Sizilien.


Die im Roman geschilderten Ereignisse stammen aus den Chroniken der Zeit. Um sie zum Leben zu erwecken, habe ich einige fiktive Figuren und Abenteuer gerankt.
Im Folgenden die Historische Hintergründe zum Roman:

Im zehnten und elften Jahrhundert war Süditalien ein verhältnismäßig reiches Gebiet mit Städten wie Gaeta, Neapel, Amalfi, Benevento, Salerno und Bari, politisch jedoch zerrissen. Die Großmacht im Süden war immer noch Byzanz, das trotz dringender Prioritäten andernorts an seinen Besitzungen in Apulien und Kalabrien festhielt und gerade genug Truppen im Land hielt, um lokale Aufstände niederzuschlagen. Die lombardischen Fürstentümer des westlichen Teils der italienischen Halbinsel waren seit langem in einem erbitterten Ringen um die Vorherrschaft zerstritten. Offiziell huldigten sie dem deutschen Kaiser, aber auch der hatte meist andere Sorgen, als sich um Süditalien zu kümmern.

Das Volk der Region litt unter den immer wieder auftretenden bewaffneten Konflikten, unter den byzantinischen Steuereintreibern und den maurischen Seeräubern, die in vertrauter Regelmäßigkeit das Land heimsuchten und die Bewohner ganzer Dörfer in die Sklaverei verschleppten. Siedlungen und sogar Klöster wurden militärisch befestigt, um sich gegen solche Übergriffe zu schützen, auch gegen solche von benachbarten Herrschern.

In dieser Welt tauchten zu Beginn des elften Jahrhunderts normannische Abenteurer auf, die von den lombardischen Prinzen gern als Söldner angeworben wurden, um ihre Kleinkriege untereinander auszufechten. Bald begannen diese für Mut und Kampfkraft berüchtigten Krieger ihre eigenen Interessen zu verfolgen, Burgen zu bauen und die lombardischen Prinzen gegeneinander auszuspielen. Aversa war die erste normannische Grafschaft, die sogar vom Kaiser bestätigt wurde. Dann, im Zuge einer Revolte gegen Byzanz, an der Normannen sich beteiligten, wurde Melfi erobert, das fortan zum Hauptstützpunkt der normannischen Einwanderer wurde. Die Brüder Williame und Drogo Hauteville hatten sich hervorgetan und wurden zu ihren Anführern gewählt und als Grafen bestätigt. Jahrelang ging es ihnen hauptsächlich um Beute und persönliche Bereicherung.

Mit Onfroi und nach ihm vor allem Robert Guiscard, ebenfalls aus dem Hause Hauteville, begann eine neue Phase der aktiven Landnahme in Süditalien, die schließlich nach der Eroberung Siziliens durch Roger, den jüngsten Sohn der Familie, zur Errichtung eines der bedeutendsten Fürstentümer Europas führte. Auch der spätere deutsche Kaiser Friedrich II., in Süditalien geboren, stammt zur Hälfte von den Hautevilles ab.

Der vorliegende Band erzählt den ersten Teil dieser Entwicklung und endet mit der Schlacht von Civitate, in der der Papst gedemütigt wurde und die Normannen sich zum ersten Mal als eine eigenständige Kraft in Apulien legitimieren konnten.
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Lesung in der Galerie49, München

Am Freitag, den 11. Januar 2013, um 18:00 findet in der Galerie49, Agnesstr. 49 in München, eine gemeinsame Veranstaltung statt. Die Künstlerin Ursula Fuchs stellt eine Auswahl ihrer abstrakten Werke aus, während ich eine Lesung meines neuen Buches, Die Hure Babylon, abhalte. Dazu gibt es zu trinken, knabbern und diskutieren.

Ich finde, das ist eine interessante Kombination künstlerischer Betätigung. Wir hoffen auf rege Teilnahme.

Ausstellung
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Erste Rezensionen zur "Hure Babylon"

Endlich ist mein neuer Roman an den Start gegangen und liegt in den Läden.
Das sind immer nervöse Tage, auch wenn ich mich langsam daran gewöhnen sollte. Trotzdem ist da dieses Lampenfieber und Nägelkauen, wie das Buch wohl aufgenommen wird. Ein Trost, dass mir viele Autorenkollegen bestätigen, es ginge ihnen nicht anders.

Umso mehr freue ich mich über die ersten positiven Rezensionen:

"Die Hure Babylon ist einer der intensivsten und spannendsten Romane aus der Epoche der Kreuzzüge. Grandiose, spannende Momente inmitten von Liebe, Leid und Kämpfen - überzeugend dargestellt."
(
Rezension bei: Things, Books and More)

„Ein farbenprächtiger und hervorragend recherchierter Historienroman, dem es durch seine spannende, abenteuerliche Geschichte problemlos gelingt, einem die gefahrvolle Reise der Kreuzfahrer im 12. Jahrhundert näher zu bringen. Für mich einer der besten Historischen Romane, die ich seit langem gelesen habe.“
(
Rezension bei: Belles Leseinsel)

„Ein berührender Roman, der aufzeigt, dass es keinen Grund gibt, Kreuzzüge zu glorifizieren, aber auch dass Glaube, Liebe und Hoffnung die drei wirklichen göttlichen Tugenden sind, auf die man bauen kann. Fazit: Empfehlenswert.“
(
Rezension bei: Helga König)

Frau König hat außerdem noch ein interessantes Interview zum Buch gebracht.
Zum Interview ...

Es werden gewiss noch andere Rezensionen auftauchen, vielleicht nicht immer so positive. Aber zumindest kann ich mir das Nägelkauen jetzt wieder abgewöhnen. Happy
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Die Rettung des Kölner Stadtgedächtnisses

Am 27. September 2012 empfangen Dr. Stefan Lafaire und seine Mitarbeiter uns Autoren, die am Gemeinschaftsroman „Die Vierte Zeugin“ mitgewirkt haben, um uns mit den Restaurationsbemühungen des Kölner Stadtarchivs vertraut zu machen. Dr. Lafaire ist der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Stadtgedächtnis“, die mit diesen Arbeiten beauftragt ist.

“Durch den Einsturz des Historischen Archivs verliert nicht nur Köln, sondern ganz Europa seine Identität. Würden wir die Archivalien nicht restaurieren, wäre unsere Geschichte von nun an manipulierbar”, sagt er und nennt uns ein paar beindruckende Zahlen. Vor dem katastrophalen Einsturz umfasste das Archiv 1.100 Jahre Geschichte und stellte mit seinen 700 Jahren ununterbrochener Sammlungstätigkeit eines der bedeutendsten, historischen Archive Europas dar. 30.000 Regalmeter Akten, 65.000 Urkunden aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, allein 1.800 mittelalterliche Handschriften.

Wir waren fasziniert von der unglaublichen Sysiphus-Arbeit der Restaurationsbemühungen. In klimatisierten, staubfreien Hallen arbeitet unermüdlich eine ganze Heerschar weiß bekittelter Menschen, um das Gedächtnis der Stadt Köln wiederherzustellen.

Erstaunlich teilweise die Vorgehensweise. Nach dem Einsturz des Archivs lag praktisch alles unter Trümmern in einem riesigen Schlammloch. Die Dokumente wurden mit dem Bagger ans Tageslicht gefördert und zunächst mit Wasser abgespült, um den gröbsten Dreck abzuwaschen. Nach reiflicher Überlegung hatte man sich geeinigt, dies sei noch die schnellste und sanfteste Methode, um die schlimmsten Verunreinigungen zu entfernen.

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Dann, um zerstörerischen Pilzbefall zu verhindern, wurden die nassen Dokumente sofort eingefroren und in diesem Zustand in großen Kühlhallen gelagert. Nacheinander werden sie nun hervorgeholt und in einer Gefriertrockenanlage getrocknet. Danach wird den Dokumenten die korrekte Feuchtigkeit wieder zugeführt, sie werden sanft geglättet und einzeln, von Hand, sorgfältig entstaubt, gereinigt, restauriert und neu archiviert. Eine Arbeit, die möglicherweise noch 20-30 Jahre dauern wird und bis zu 400 Millionen EURO verschlingen könnte. Man schätzt aber, dass dadurch bis zu 95% der Dokumente gerettet werden können. Allerdings hofft die Stiftung neben den Mitteln, die die Stadt bereitstellen kann, auf private Sponsoren und Spender.

Und um eine dieser Handschriften (siehe im Bild) ging es ja im Roman „Die Vierte Zeugin“. Denn „unser“ Dokument, eine alte Gerichtsakte aus dem Jahre 1535 existiert tatsächlich und konnte durch die Spenden des Autorenkreises Quo Vadis restauriert werden. Dieses alte und nun gerettete Pergament vor uns zu sehen, das war schon ein bewegender Augenblick. Ein gutes Gefühl, dass wir Autoren mit unserem Roman ein wenig dazu beitragen konnten, die gewaltigen Restaurierungsarbeiten der Stiftung zu würdigen und populärer zu machen.


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Von links nach rechts: Dr. Stefan Lafaire, Tanja Schurkus, Jürgen Roters, Caren Benedikt, Katrin Burseg, Ulf Schiewe, Peter Prange, Marlene Klaus, Lena Falkenhagen, Heike Koschyk, Oliver Pötzsch, Alf Leue, Martina André, Titus Müller. Foto: Philipp Müller

Weitere Links:

Website des Romans: Die Vierte Zeugin
Der Empfang im Rathaus: „Botschafter des Kölner Stadtarchivs


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Wie können zwölf Autoren an einem Roman schreiben?

Letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, an einem Gemeinschaftsprojekt für einen historischen Roman mitzuwirken.
Ein ungewöhnliches Angebot, das mich neugierig machte. Zumal die Grundlage des Projekts ein echtes, gerettetes Dokument aus dem unglücklichen Kölner Stadtarchiv darstellte, dessen Restaurierung durch Benefizlesungen der Autorenvereinigung Quo Vadis finanziert worden war. Lebendige Geschichte sozusagen.
Also war ich spontan einverstanden mitzumachen.
Ein bisschen vorschnell, denn nach einer Weile bekam ich doch Bedenken. Wie sollte es möglich sein, überhaupt ein kohärentes Plot zusammenzubekommen ohne endlose Diskussionen oder gar Streitereien? Und was wäre, wenn es am Ende vorne und hinten nicht zusammenpasste? Beim Film nennt man das "script continuity", das heißt von Szene zu Szene muss die Tasse am richtigen Ort stehen, die Krawatte des Schauspielers gleich schief sitzen und er kann die Figur nicht plötzlich anders darstellen, nur weil er am zehnten Drehtag eine andere Idee hatte.
Aber was soll's, ich hatte schließlich zugesagt.
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Doch was Alf Leue und Heike Koschyk, die beiden Herausgeber  und Mitautoren schließlich auf die Beine stellten, war schlicht grandios. Alles war minutiös vorgeplant, ein detailliertes Storyboard stand zur Verfügung, Hintergrundmaterial und Einiges mehr an Recherchen.
Das Konzept, um die besagten Probleme zu lösen, war einfach aber effektiv. Tanja Kinkel und Peter Prange waren für Prolog und Epilog zuständig, und die restlichen Autoren bekamen jeder  eine Figur zugeteilt, die sie im gemeinsamen Figurenplan zu entwerfen und aus deren Sicht sie jeweils zwei Kapitel der Geschichte zu erzählen hatten. Alf und Heike achteten mit Argusaugen, dass die Regeln eingehalten wurden und sich alles nahtlos ineinanderfügte.
Eine Riesenarbeit für die beiden, aber ich glaube, es hat sich gelohnt. Die unterschiedlichen Schreibstile stören keinesfalls, denn sie unterstreichen im Gegenteil die eigene Sichtweise und Eigenart der jeweiligen Figur. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie sich jeder selbst überzeugen kann, denn der Roman ist inzwischen unter dem Titel "Die Vierte Zeugin" beim Aufbauverlag erschienen. Es gibt sogar eine Website (
Die Vierte Zeugin). Und hier der Link zu Amazon.
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Wahr spricht, wer mich unersättlich nennt ...

jaufre_rudel

Im Herbst kommt ein neues Buch von mir.

Arnaut und die Fürstin Ermengarda (aus "Die Comtessa") entzweien sich, und Arnaut bricht zum unglücklichen Zweiten Kreuzzug auf, der in einem vollständigen Desaster endet. Das deutsche Heer wird vernichtet. Das fränkische gibt am Ende auf. Arnaut erlebt eine Menge schlimmer Dinge unterwegs, während Ermengarda auf ihn wartet, nicht wissend, ob er jemals heimkehren wird.

Zur Einstimmung für meine Leser eine kleine Szene mitten aus dem Buch. Ermengarda debattiert mit dem Troubadour Peire Rogier über Liebe und Dichtung. Rogier spielt auf Arnauts Abwesenheit an. Das Gedicht, das am Ende zitiert wird, ist sehr bekannt und stammt von Jaufré Rudel, eben aus dieser Zeit. Jaufré begab sich selbst auch auf diesen Kreuzzug und die "ferne Liebe", die er im Kopf hatte, war Hodierna, die Gräfin von Tripolis.

Aber nun der Auszug:

„Sag mir Rogier, was ist die Liebe?“

Verwirrt blickte er mich aus dunklen Augen an, die immer ein wenig an feuchte Hundeaugen erinnerten. Eine Täuschung, denn mein guter Sängerfreund konnte ziemlich frech und respektlos sein, besonders in seinen Spottliedern. Man hörte auch gewisse Geschichten über ihn, von durchzechten Nächten in üblen Spelunken, vom Umgang mit zwielichtigen Gestalten und wüsten Weibern.

„Warum fragst du mich das, Midomna? Es weiß doch jeder, was Liebe ist.“

„Ich will es aber von dir hören, von einem Kenner sozusagen. Du hast dir einen gewissen Ruf erworben, mein Guter.“

„Seit wann achtest du auf dummes Geschwätz, Ermengarda? Ich bitte dich.“

Ich musste über sein besorgtes Gesicht lächeln. „Hast du vielleicht etwas zu verbergen?“

„Natürlich nicht“, schmollte er in gespielter Entrüstung. „Meine Seele liegt allein dir zu Füßen und du trampelst darauf herum.“

„Ach, Peire“, lachte ich. „Du bist unverbesserlich.“

Wir hatten einen müßigen Nachmittag am warmen Kamin verbracht, mit Liedern, unterhaltsamen Geschichten und auch ein wenig Klatsch und Tratsch, wie es sich so ergibt, wenn man in angenehmer Gesellschaft zusammensitzt und nichts Besseres zu tun hat. Raimon und andere Freunde bei Hofe hatten sich gerade verabschiedet und auch Domna Anhes war davongeeilt, um Anordnungen für das Abendmahl zu treffen, denn wir gaben einen Empfang für Würdenträger der Stadt. Peire Rogier und ich waren allein zurückgeblieben.

„Zweifelst du an meiner Aufrichtigkeit?“, fragte er.

Es war ein Spiel. Es gehörte zu seiner Rolle bei Hofe, dass er sich als schmachtender Bewunderer der Fürstin aufführte. Aber nach den vielen Liedern an diesem Nachmittag und dem schamlosen Geplapper über Wer mit Wem war ich nicht mehr dazu aufgelegt.

„Jetzt mal im Ernst“, sagte ich. „Einer wie du, der ungebunden ist, der sich vergnügt und alles nimmt, was sich ihm darbietet ...“ Er machte eine entrüstete Handbewegung, als müsse er solche Anschuldigungen weit von sich weisen. „Leugne nicht, Peire“, sagte ich mit erhobenem Zeigefinger und gespieltem Zorn. „Mir ist so Einiges zu Ohren gekommen, was dich betrifft. Aber darum geht es mir gar nicht. Du lebst die Liebe in vollen Zügen, du denkst über sie nach und du verewigst sie in deinen Versen. Deshalb sag mir, was ist für dich die Liebe?“

„Was für eine Frage, mon Dieu“, sagte er, wieder versöhnt. „Mit der Antwort könnte man ein ganzes Buch füllen, dicker als die Bibel.“

„Nun zier dich nicht.“

„Eigentlich, das Wort selbst, amor, erklärt schon alles“, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Es kommt von amus, was so viel wie fangen oder gefangen sein bedeutet. Der Liebende ist Gefangener in den Ketten seiner Begierde und wünscht nichts sehnlicher, als auch den anderen mit diesem Haken zu fangen.“

„Du bist ein Esel, Peire“, lachte ich. „Der Haken heißt hamus und nicht amus und hat mit der Liebe rein gar nichts zu tun.“

Er zuckte mit den Schultern und grinste.

„Nun gut. Dein Latein ist besser als meines. Aber du kannst nicht leugnen, dass die Schönheit des anderen Geschlechts uns dazu verführt, davon zu träumen, in den Armen des anderen zu liegen und all das zu tun, was uns die Liebe in diesem Fall gebietet. Dieses Begehren nach Erfüllung ist doch allen Menschen angeboren.“

„Wenn dem so ist, und das will ich gar nicht bestreiten, warum singt ihr trobadors dann nicht von der Glückseligkeit der Liebe? Stattdessen klagt und jammert ihr endlos über die versagte, die unerfüllte Liebe. Man sollte meinen, es gäbe nichts als Leid und Weh.“

„Ah“, sagte Rogier. „Nun hast du den wunden Punkt getroffen. Denn mit der Erfüllung entflieht die Liebe. Sie wird alltäglich, sie erhebt uns nicht mehr, lässt unser Herz nicht mehr erzittern. Die unerfüllte Liebe dagegen ist die höchste Form der Liebe, die fin d’amor, die hohe Minne. Sie währt bis in alle Ewigkeit.“

„Dichtergewäsch.“

Er warf mir einen gekränkten Blick zu.

„Dichtergewäsch? Nun, dass ich Poet bin, daran kann kein Zweifel sein. Glückliche Liebe bietet mir eben nichts. Die fatale, die verbotene oder die zerstörerische Liebe, das ist Stoff für Lieder. Die Gemüter rührt nicht das Glück, sondern la passió, das Leiden der Liebenden, das Begehren, der unerfüllbare Wahnsinn, mit dem sie geschlagen sind und alle Verstrickungen, die sich daraus ergeben.“

„Da ist was dran.“

„Du kennst die Geschichte von TristanundIseult?“

„Wer kennt sie nicht?“

„Eben, wer kennt sie nicht. Alle, die sie hören, sind davon ergriffen. Die Liebe, die nicht sein darf. Das Schwert zwischen den Liebenden. Der Fluch des Ehebruchs, der über ihnen hängt.“

„Aber sie nehmen sich doch ihre Liebe.“

„Vorübergehend. Sie kosten von diesem Apfel und werden, wie Adam und Eva, aus dem Paradies vertrieben. Und beim Versuch, alle Hindernisse zu überwinden, sterben sie. Der Tod als letzte Entsagung einer unseligen Leidenschaft.“

„Ja. Das ist sehr traurig.“

„Kannst du dir Iseult am Herd vorstellen, fett geworden und mit sechs Kindern am Rock, während sie Tristan den Brei kocht? So eine Geschichte würde niemand hören wollen.“

„Du bist ein Scheusal“, rief ich und warf mit einem Stück Gebäck nach ihm, das übriggeblieben war.

„Schau dich doch selbst an“, fuhr er ungerührt fort, nachdem er die Kuchenkrümel von seinem Wams gelesen hatte. „Du warst glücklich mit Arnaut, gewiss. Und seit er fort ist, geht es dir nicht gut, er fehlt dir schrecklich. Ich wette, du schläfst schlecht, du hast abgenommen, bist oft ungeduldig und launisch. Aber wenn jemand seinen Namen erwähnt, dann kommt so ein Glanz in deine Augen. Glaub nicht, dass man es nicht merkt. Du leidest, aber du hast ihn noch nie so geliebt wie jetzt.“

Betroffen starrte ich ihn an. Mein Herz hatte heftig zu schlagen begonnen, und ich merkte, wie mir die Röte in die Wangen stieg. Machte er sich lustig über mich? Doch er lächelte mich nur sanft mit seinen Hundeaugen an und sprach mit leiser Stimme:

Ver ditz qui m‘apella lechai

Ni deziron d’amor de lonh,

Car nulhs autres jois tant no’m plai

Cum jauzimens d’amor de lonh.

- - -

Wahr spricht, wer mich unersättlich nennt

dürstend nach ferner Liebe,

denn nichts erfüllt mich mehr als diese Lust

an Liebe aus der Ferne.

Seine weiche, rauchige Stimme und dann diese Worte.

Kein Wunder, dass mir die Tränen herunterliefen. Ja, verdammt. Die ferne Liebe. Ich wollte, ich könnte sie mir aus dem Herzen reißen.

„Ich muss mich umziehen“, brachte ich hervor und verließ fluchtartig den Saal.
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"Dann gab es kein Halten mehr"

Gelegentlich interessiert auf diesem Blog vielleicht die eine oder andere Rezension, die mir besonders aufgefallen ist. Mit freundlicher Erlaubnis der Rezensenten möchte ich sie hier zitieren. Hier die Neueste über den Bastard von Tolosa:

Mein Jahreshighlight 2011,24. Januar 2012
Vongagamaus (muc)
Rezension bezieht sich auf: Der Bastard von Tolosa: Roman (Kindle Edition)

„Lange habe ich dieses Buch nicht richtig beachtet und mehr durch Zufall bin dann doch dazu gekommen es mal anzulesen. Dann gab es kein Halten mehr.
Lasst Euch nicht abschrecken davon, dass es 930 Seiten dick ist. Hier ist wirklich keine Seite zuviel. Keinen Satz möchte ich missen und ich war am Ende traurig, dass der Roman nicht noch weiter ging.

Man wird mit der ersten Zeile hineingesaugt in eine hervorragend erzählte, dicht gewebte Geschichte in der der Held Jaufré sich nach langen Jahren im Heiligen Land entschließt, wieder in die Heimat zurückzukehren und zu versuchen etwas Seelenfrieden und Ruhe zu finden von all dem Krieg und Blut in seinem Leben.

Es handelt sich also keineswegs um ein Buch nur über den Heiligen Krieg um Jerusalem und keine Angst vor zu vielen Schlachten und Kämpfen. Die gibt es natürlich auch aber nach dem ersten Teil nehmen sie stark ab und die Handlung wird dann geprägt vom abenteuerlichen Versuch Jaufrés seine Burg wieder in Besitz zu nehmen und seine familiären Bande zu entwirren und zu festigen.

Ich empfand die Sprache als sehr bildgewaltig und doch nicht aufdringlich, als einfühlsam, wo dies von Nöten und kühl genau, wo Grausames zu beschreiben war. Die Charactere der Personen waren farbig und voller menschlicher Facetten und erlangten Tiefe durch ihre Vielschichtigkeit und die lebhaften Dialoge. Hier gefielen mir auch die provencialischen Brocken, die den Leser erinnern, wo man sich befindet und die nicht jedes Mal wörtlich übersetzt werden mussten, um ihren Charme zu verbreiten.

Es ist ein Buch, das mit Sicherheit mehr Männern gefällt wie Frauen, da hier ein Mann die Hauptrolle spielt und es einige Tote zu verzeichnen gibt und Grausamkeiten geschehen, die zu Herzen gehen; vor allem, wenn sie liebgewonnene Figuren betreffen. Dennoch ist es eine Geschichte auch von der Liebe und den Verwirrungen der Gefühle, von Sehnsucht nach Heimat und dem Wunsch im sicheren Hort einer Familie zu leben. Mir war Jaufrè ein guter Freund und seine Erlebnisse haben mich eine Woche lang Tag und Nacht gefangen genommen und ließen mich einen dicken Schmöker an alle nur erdenklichen Orte mitschleppen, was sonst gar nicht meine Art ist.“
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"Die Comtessa" ante Portas

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Das Buch ist gedruckt, die ersten Rezensionsexemplare verlassen den Verlag, vermutlich auch Lieferungen an die Händler. Nun sind es nur noch wenige Tage bis zum offiziellen Erscheinungsdatum, dem 4. April. Gestern hat mir der Postbote das allererste Exemplar in die Hand gedrückt. Ein bewegender Augenblick.

Natürlich ist jeder Autor aus dem Häuschen, wenn er sein Baby zum ersten Mal in Händen hält, aber das Hardcover ist wirklich schön geworden. Der Umschlagentwurf ist in positiven Farben gehalten, ein spanisches Motiv aus dem 13. Jahrhundert, und wenn man ihn abnimmt, ist auch die Innenseite ähnlich bedruckt und mit dem Personenverzeichnis aus dem Anhang versehen. Eine originelle Idee des Verlags. Natürlich fehlen auch nicht Karten, Glossar und historische Anmerkungen.

Also, liebe Freunde, ihr dürft jetzt alle wie wild vorbestellen oder am 4. April die Buchläden stürmen. Die Geschichte ist spannend, ich verspreche es. Happy
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Das traurige Ende des traumatisierten Troubadours

Kürzlich hatte ich darüber geschrieben, welch üblen Streich eine Hofdame dem armen Troubadour Jaufré Rudel gespielt hatte. Noch dazu eine, in die er heftig verliebt gewesen war. Danach wollte er mit den Schönen der Höfe, die er besuchte, nichts mehr zu tun haben.

Jaufre stirbt in Hodiernas Armen
Heimkehrende Pilgersleute erzählten ihm später von der Tugend und Schönheit Hodiernas, der Gräfin von Tripolis. Angeblich war ihr Gemahl, Raimund II von Tripolis, ein eifersüchtiger Mann, der sie eingesperrt hielt wie eine Orientalin. Das entzündete seine Fantasie und er schuf das Bild einer Hodierna als edelmütige, ferne Geliebte, der er all seine späteren Liebeslieder widmete. Als Alfons von Toulouse sich 1148 auf den Zweiten Kreuzzug begab, schloss sich Jaufré Rudel ihm an, um die Gelegenheit zu nutzen, endlich vor seine ferne Angebetete zu treten. Nach der Legende erkrankte er leider auf der Schiffreise schwer. Halb tot trug man ihn an den Strand von Tripolis. Sein Ruf als Poet war ihm vorausgeeilt, und so begab sich Hodierna gleich an den Strand, um ihn tot elend vorzufinden. Fürsorglich ließ sie ihn in ein Hospitium bringen, doch sein schlechter Zustand war schon so fortgeschritten, dass er sich nicht mehr erholte. Immerhin starb er glücklich in ihren Armen.

Hodierna war die dritte von vier Töchtern des Königs von Jerusalem, Balduin II, und ganz so tugendhaft und edelmütig, wie Jaufré sie sich ausgemalt hatte, scheint sie wohl nicht gewesen zu sein. Wie ihre Schwestern war sie sehr unabhängig aufgewachsen, und ihr Gemahl schien durchaus Grund zur Eifersucht gehabt zu haben, denn es liefen Gerüchte, dass Hodiernas Tochter nicht von ihm gewesen sein soll. Und als sie fürchtete, Alfons könne ihr und ihrem Mann die Grafschaft Tripolis streitig machen, schmiedete sie mit ihrer Schwester Melisende, Königin von Jerusalem, ein erfolgreiches Komplott, ihn zu vergiften.
Dennoch haben Jaufré Rudels Lieder von der fernen Liebe (
amor de lonh) einen bleibenden Einfluss auf die Kunst der Troubadoure und Minnesänger in ganz Europa gehabt. Wie die Grafschaft Tripolis als einer der Kreuzfahrerstaaten entstand, habe ich in „Der Bastard von Tolosa“ beschrieben. Und Alfons von Toulouse, Sohn des Gründers Raimund Saint Gilles, ist ebenfalls eine meiner wichtigen Figuren in „Die Comtessa“.
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Zeitreise im historischen Roman?

crusadersmoslems
In wieweit darf man oder soll man in einem historischen Roman Parallelen zwischen historischer Vergangenheit und unserer Gegenwart ziehen?

Nach der Meinung von Bernd Giehl tue ich dies nicht genug. In seiner Besprechung des „Der Bastard von Tolosa“ im Blog des Glarean Magazins („Ohne Widerhaken im Denken“) findet er frappierende Ähnlichkeiten zwischen meiner Darstellung der ersten Jahre nach dem Kreuzzug von 1096 und dem Krieg in Afghanistan der heutigen Zeit:
„Alles ist vorhanden in Ulf Schiewes Erstling «Bastard von Tolosa»: Die Taliban – nur dass sie in diesem Roman «Sarrasin» heißen, oder auch mal «Seldschuken»; Al Quaida, deren Kämpfer hier «Haschaschin» genannt werden, Assassinen (das Wort gibt es heute noch im Französischen für Selbstmörder); Die internationalen Truppen der ISAF, nur dass sie nicht Amerikaner, Briten, Kanadier oder Deutsche sind, sondern Provenzalen oder Normannen. Es geht auch nicht um die Befreiung Afghanistans, sondern um die Eroberung des Heiligen Landes durch ein Kreuzritter-Heer im 11. Jahrhundert. Und der, der den Feldzug befohlen hat, heißt nicht George Bush, sondern Papst Urban. Genauso scheinheilig wie im «Krieg gegen den Terror» sind auch hier die Gründe. Nur dass sie nicht «Demokratie» oder «Rechte der Frauen» heißen, sondern «Befreiung des Heiligen Grabs» oder «Rückeroberung Jerusalems». Auch die Durchhalteparolen werden gegeben, genau so, wie das sinnlose Morden von den sensibleren Naturen beklagt wird.“
Natürlich kann man solche Parallelen ziehen. Bei meiner Recherche und auch beim Schreiben sind mir selbstverständlich ähnliche Gedanken gekommen. Ich will auch nicht leugnen, dass meine Darstellung der Situation in Outremer des Jahres 1110 dem Leser sogar bewusst auf solche Gedanken bringen kann. Aber ich überlasse es dem Leser, daraus seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Natürlich wiederholt sich vieles in der Geschichte der Menschheit. Und es ist ja auch der Sinn eines Romans, sich neben Handlung und Plot mit dem ewig Menschlichen auseinanderzusetzen, oder aus der Geschichte zu lernen, etwas daraus zu ziehen, das uns auch heute angeht.
Aber dies ist Bernd Giehl nicht genug. Ich zitiere: „Alles ist vorhanden, und womöglich wiederholt sich ja auch alles, wie es Nietzsche schon wusste, nur dass Ulf Schiewe die Möglichkeit der «Ewigen Wiederkehr» seinen Lesern nicht zumuten möchte. Wahrscheinlich wäre es ein spannendes Unternehmen, die Kreuzzüge und den «Krieg gegen den Terror» in Afghanistan einmal gegeneinander zu schneiden und miteinander zu verschränken, aber das hieße ja, den Leser zum Denken zu zwingen. Und Bücher, bei denen man denken muss, werden nicht in hunderttausender Stückzahlen gekauft. Womöglich werden sie nicht einmal gedruckt.“
Ganz abgesehen von den etwas abfälligen Bemerkungen über Leser und Denken (!), was Herr Giehl hier fordert, würde sich sicher gut in einem Sachbuch machen. Ich sehe aber kaum die Möglichkeit, so etwas in einem historischen Roman unterzubringen. Höchstens als Fantasy-Zeitreiseroman, was gar nicht mein Genre ist. Ich finde, es genügt völlig, wenn Leser wie Herr Giehl beim Lesen meines Romans schon von selbst draufkommen, wie er es ja ganz offensichtlich getan hat. Darüber kann ich mich nur freuen.

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